
Halo Campaign Evolved Testbericht: Eine legendäre Xbox-Ikone erscheint auf PS5, aber kann das Remake die Erwartungen nicht erfüllen?
Ein historischer Sprung über die Konsolengrenzen hinaus
2001 war ein Wendepunkt für die Spielebranche. Es markierte die Geburtsstunde der ersten Xbox und das Debüt ihres Flaggschifftitels Halo: Combat Evolved – ein Spiel, das nicht nur eine Konsole prägte, sondern auch den Goldstandard für Ego-Shooter auf Heimkonsolen setzte. 25 Jahre später hat sich die Landschaft verändert. Nach einer Reihe eher verhaltener Reaktionen auf spätere Titel von 343 Industries hat Microsoft einen Kurswechsel vollzogen, das Team in Halo Studios umbenannt und von der hauseigenen Slipstream-Engine auf die branchenübliche Unreal Engine 5 umgestellt.
Das erste Ergebnis dieser neuen Ära ist Halo Campaign Evolved.
Halo erscheint am 28. Juli 2026 für PC, Xbox Series und – als historische Premiere – PlayStation 5. Dieses Remake steht vor einer großen Herausforderung: Es muss eine angeschlagene Spielereihe wiederbeleben und sich gleichzeitig in der komplexen Welt der ehemaligen Xbox-Exklusivtitel behaupten, die nun auf Sonys Terrain erscheinen.
Visuelle Pracht dank Unreal Engine 5
Der Wechsel zur Unreal Engine 5 (UE5) ist die am meisten diskutierte Neuerung. Während einige den oft mit modernen UE5-Titeln assoziierten „generischen“ Look befürchteten, ist es Halo Studios weitgehend gelungen, die einzigartige DNA der Serie zu bewahren. Der grafische Sprung ist unbestreitbar. Die Innenkorridore der Pillar of Autumn sind atemberaubend detailliert und bieten ein deutlich besseres Spielerlebnis als sowohl das Original als auch die Anniversary Edition.
Die Architektur der Allianz ist ebenso beeindruckend und erstrahlt in modernster Technik. Doch auch die Modernisierung ist nicht fehlerfrei. Während die Forerunner-Bauten optisch beeindruckend sind, könnten sie manchen zu protzig erscheinen. Zudem wirken die organischen Außenumgebungen – die grasbewachsenen Ebenen und schneebedeckten Gipfel – etwas künstlich und vermissen den unverwechselbaren Charakter der ursprünglichen Welt.
Leistungstechnisch ist das Spiel bemerkenswert stabil. Tests auf unterschiedlicher Hardware – von einer RTX 3070 Ti mit 1080p/60fps bis hin zu einer RTX 4080 Super mit 1440p/100fps – zeigten ein flüssiges Spielerlebnis mit praktisch keinen Fehlern, was beweist, dass die Optimierung für die finale Version Priorität hatte.
Die drei größten Schwächen: Visuelle Unordnung, KI-Stimmen und fehlende Inhalte
Trotz des guten Zustands wird Halo Campaign Evolved durch drei gravierende Probleme beeinträchtigt. Erstens die visuelle Unordnung. Die Entwickler haben es mit Lichteffekten und Partikeln möglicherweise etwas übertrieben; Im Eifer des Gefechts verschwinden Plasmagranaten und feindliche Projektile oft in einem Meer aus Explosionen und Leuchtspuren, was das Kampfgeschehen mitunter unleserlich macht.
Zweitens, und vielleicht am gravierendsten, ist die französische Sprachausgabe. Während sich englische Spieler über die Rückkehr der Originalsprecher freuen, scheint die französische Version auf KI-generierte Stimmen zu setzen. Das Ergebnis ist eine seelenlose, monotone Darbietung mit schlechter Lippensynchronisation. Insbesondere dem französischen Master Chief fehlt jegliches Charisma; er klingt eher wie ein müder alter Mann als wie ein Supersoldat. Allen, die keine Angst vor Englisch haben, sei die Original-Sprachausgabe wärmstens empfohlen.
Drittens fehlt eklatant ein Mehrspielermodus. Der Mehrspielermodus war die zweite Säule des ursprünglichen Halo-Erlebnisses. Da nur die Kampagne, Bonusmissionen und ein „Remix“-Modus angeboten werden, wirkt das Spiel unvollständig. Angesichts der Schwierigkeiten im PvP-Modus von Halo Infinite wirkt die Entscheidung, hier auf einen kompetitiven Modus zu verzichten, wie eine verpasste Chance, der Reihe neues Leben einzuhauchen.
Modernisierung des Spartan-Erlebnisses
Das Gameplay hat eine durchdachte Weiterentwicklung erfahren. Die bemerkenswerteste Neuerung ist die Sprintmechanik, die erst viel später in der Serie eingeführt wurde (genauer gesagt in Reach und Halo 4). Puristen mögen die Nase rümpfen, aber der Sprint bringt die nötige Dynamik ins Kampfsystem. Bedauerlicherweise wurden jedoch modernere FPS-Elemente wie das Klettern an Kanten oder das Rutschen ignoriert.
Die Kämpfe bleiben tödlich. Die Einführung passiver Gesundheitsregeneration (ähnlich wie in Call of Duty) mag wie eine Vereinfachung wirken, aber die erhöhte Geschwindigkeit und Präzision der Covenant-Gegner halten den Schwierigkeitsgrad hoch. Die KI ist nach wie vor ein Highlight; Grunts geraten immer noch in Panik, wenn ihre Elites fallen, und die Jäger bleiben ein formidables Duo, das die taktische Tiefe bewahrt, die das Original so legendär gemacht hat.
Bonusinhalte und ein Blick in die Zukunft
Um seine Existenz als Remake zu rechtfertigen, enthält das Spiel drei Bonusmissionen, die ein Jahr vor den Hauptereignissen spielen. Obwohl diese Missionen erzählerisch etwas holprig sind – sie beinhalten die Mark-VI-Rüstung und Brutes, die erst in Halo 2 auftauchen sollten –, bieten sie eine willkommene Abwechslung. Das Infiltrieren eines Covenant-Schiffs und der Einsatz des ikonischen Battle Rifle (BR) sind ein Genuss für Veteranen.
Diese Ergänzungen, zusammen mit neuen Schädeln und Terminals, deuten darauf hin, dass Halo Studios die Lage sondiert. Die hohe Qualität der Covenant-Schiffs-Assets lässt stark vermuten, dass ein Halo 2-Remake bereits in Entwicklung ist.
Fazit
Halo Campaign Evolved ist eine visuell beeindruckende Brücke zwischen Tradition und Moderne. Obwohl es mit der KI-Sprachausgabe und dem fehlenden Mehrspielermodus zu kämpfen hat, gelingt es ihm, Master Chief in die aktuelle Konsolengeneration zu bringen. Es ist ein vielversprechender Start für Halo Studios, vorausgesetzt, sie können die visuellen Mängel beheben und die Serie letztendlich zu ihren kompetitiven Wurzeln zurückführen.
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